Tokenisierung im Kapitalmarkt: Use Cases, Bankenrollen & regulierter Handel mit Roger Darin [DE]
Show notes
Du fragst dich, wann Tokenisierung im Kapitalmarkt wirklich Mehrwert liefert und wann sie nur „Tech um der Tech willen“ ist? Diese Podcast-Episode bringt Klarheit.
In dieser Episode von Inside Digital Assets ordnen Host Lidia Kurt und Gast Roger Darin (Incore Bank) ein, was Tokenisierung im Kapitalmarkt braucht, um zu skalieren: echte Use Cases, funktionierende Einlieferung ins Bankensystem und einen regulierten Sekundärmarkt für Liquidität. Roger erklärt, warum Tokenisierung für Investoren erst dann relevant wird, wenn Token Funktionen ermöglichen, die in traditionellen Systemen nicht möglich sind, etwa via Smart Contracts und im DeFi-Kontext. Ausserdem sprechen die beiden über Learnings aus den ICOs 2017, über KYC/AML, sowie über Custody vs. Self-Custody und die Rolle von Banken in einer tokenisierten Zukunft.
Die 3 wichtigsten Takeaways:
- Use Case schlägt Technologie: Tokenisierung setzt sich nur dort durch, wo Token echten Zusatznutzen liefern (z. B. Smart Contracts, „trust but verify“).
- Banking-Integration ist der Engpass: Einlieferung, Herkunftsprüfung („tainted“ vs. unkritisch) und KYC/AML entscheiden, ob Tokens den Weg in regulierte Märkte finden.
- Sekundärhandel = Skalierung: Ohne regulierte Liquidität bleibt jedes Token-Ökosystem klein, ein offener Handelsplatz erhöht Reichweite und Investorenbasis.
Podcast: Inside Digital Assets Gast: Roger Darin (Incore Bank) Host: Lidia Kurt (BX Digital / Seturion)
Unternehmen: [Incore Bank]](https://www.incore.ch/de/)) Handelsplatz: BX Digital
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Show transcript
00:00:00: Lidia Kurt: Inside Digital Assets, der Podcast über die Zukunft des Kapitalmarkts. Tokenisierung, digitale Vermögenswerte und die Technologien die sie antreiben. Wir sprechen mit Menschen, die diesen Wandel gestalten. Über aktuelle Projekte, digitale Innovationen und die eine grosse Frage. Wie sieht der Kapitalmarkt von morgen aus?
00:00:23: Lidia Kurt: Musik Hallo Roger, freut mich, bis du heute hier bist. Sehr schön dich hier zu haben in unserem Podcast.
00:00:31: Roger Darin: Vielen Dank für die Einladung.
00:00:33: Lidia Kurt: Roger Darin, wir kennen uns schon lange. Es hat noch eine grössere Freude, dich heute hier zu haben und ein bisschen mehr über digitale Asset, Blockchain und die ganze Industrie zu sprechen.
00:00:42: Lidia Kurt: Du bist Mitglied der Geschäftsleitung bei der INCOR. Bank. Du bist aber schon sehr lange auch im Finanzmarkt unterwegs, über 20 Jahre internationale Erfahrung in Finanzmärkten in digitalen Assets und hast dadurch ein sehr breites Wissen. Ich freue mich deshalb da, das ein bisschen heute zu vertiefen. Du bist auch Mitglied oder Advisory Board Member für SIGTIG.
00:01:02: Lidia Kurt: Das ist ja das, was man herausfindet über dich, wenn man ein bisschen nachschaut. Was gibt es sonst noch für eine interessante Information, die wir jetzt verpasst haben, die die meisten über dich gar nicht wissen?
00:01:12: Roger Darin: Im Zeitalter von Social Media, LinkedIn usw. ist ja wirklich schwierig, noch irgendwelche Dinge zu haben, die nicht allgemein bekannt sind.
00:01:20: Roger Darin: Als ich die Frage gelesen habe, Im Prescript habe ich mir überlegt, was kann ich dazu sagen? Das Einzige was mir wirklich eingefallen ist, sind Dinge die aus der Zeit sind bevor es Social Media gab. Sprich wieso bin ich überhaupt ins Banking gekommen? Wieso mache ich heute das, was ich tue? Schon als Zehnjähriger war für mich klar, ich möchte Ins Banking gehen, während andere von jedem Land die Hauptstadt kannten kannte ich von jedem Land einfach die Währung.
00:01:47: Roger Darin: Das hat mich immer interessiert Nicht, dass ich wirklich gewusst hätte, was eine Bank genau tut, aber ich fand es immer irgendwie faszinierend. Das Ganze kam dann ein bisschen ins Wanken, vielleicht als ich 12, 13 war, der erste Computer. Ich fand das faszinierend dass man Dieser Computer programmieren kann, Dinge damit tun, die vorher unmöglich schienen Und tatsächlich waren meine ersten Startups waren beide im Bereich IT angesiedelt.
00:02:19: Roger Darin: Als es dann aber ernst wurde und ich mich wirklich entscheiden musste, was mache ich jetzt voll, hatte ich den Mut nicht die Startup-Idee weiter zu verfolgen, aber es blieb immer ein bisschen präsent und die ganze Liebe zu Technologie war dann wohl auch dahinter, weshalb ich relativ früh zu Bitcoin kam.
00:02:36: Roger Darin: Und heute bin ich natürlich äusserst glücklich, weil diese Dinge mehr zusammenkommen, die Finanzwelt und die Welt der Technologie.
00:02:45: Lidia Kurt: Du kannst somit dein volles Wissen aus beiden Bereichen zusammenpacken jetzt in deinem beruflichen Umfeld. Wie erklärst du zu Hause, Beispielsweise am Familientisch, was du beruflich machst, in einfachen Worten?
00:02:57: Roger Darin: Ja, das finde ich auch immer noch raus. Es war nie wirklich einfach. Du machst was mit Bank und dann war es mal eine Zeit mit Trading. Heute ist es, ja, was mache ich überhaupt? Es ist wirklich schwierig. Wenn du einen guten Tipp hast, wie man das erklärt. In der Regel bleibe ich bei Bank und die Leute sind meistens anständig genug, um dann nicht weiter nachzufragen, was genau das ist, denn ich könnte wahrscheinlich nicht so detailliert erklären, was ich genau wirklich tue.
00:03:28: Lidia Kurt: Das ist immer wieder eine Herausforderung ja. Jetzt, wenn wir es heute ein bisschen versuchen, ein bisschen in die Tiefe zu gehen, was ihr auch bei INCORE macht und wie sich so die Welt der tokenisierten Vermögenswerte auch verändert, können wir versuchen, da mal einen Schritt in die Richtung zu machen.
00:03:42: Lidia Kurt: Als INCORE positioniert ihr euch ganz klar als Innovativer Player, als Player der frühen Bereich digitaler Assets unterwegs ist. Wie hat sich diese Ausrichtung in den letzten Jahren verändert und was ist euer Driving Factor, um da in diesen Bereich einzusteigen?
00:03:58: Roger Darin: Nun Incore Bank war ja die erste B2B-Bank, die von der FINMA lizenziert wurde, im Kryptobereich tätig zu sein.
00:04:06: Roger Darin: Und auf dem haben wir eigentlich aufgebaut. Für uns war immer wichtig, dass Krypto als Anlageklasse gleich behandelt werden kann wie andere Anlageklassen. Das heisst es sind so weit wie möglich die gleichen Prozesse, es sind die gleichen Anforderungen. Die FINMA spricht immer davon, dass sie technologieneutral handelt Sein möchte.
00:04:26: Roger Darin: Und für uns war es auch ein Anliegen, damit das Ganze skalieren kann, Das möglichst in bestehende Prozesse integrieren. Das war zu Beginn für Handelssicher eine Herausforderung das einzuführen. Haben wir dann so aber machen können. Und heute ist es die Mission von Token, wie zusammen mit BX Digital, wo auch die Idee ist, dass es möglichst in bestehende Prozesse eingegliedert werden kann.
00:04:54: Roger Darin: Und die Innovation selbst, die kommt ja eigentlich Netterweise vom Markt selbst sind Kundenbedürfnisse, die auftauchen, die man befriedigen möchte. Als B2B-Player bedient man in erster Linie eine Grosszahl von Banken und diese Banken geben uns ein fantastisches Sensorium in den Markt. Weil die zu so vielen Kunden sprechen mit ihren individuellen Bedürfnissen, dass es dann so zu uns zurückkommen kann.
00:05:22: Lidia Kurt: Spürt da eine Veränderung auch über die letzte Zeit? Also was die Kunden, die B2B-Banken und dann die Endkunden auch wirklich wünschen und nachfragen?
00:05:30: Roger Darin: Zu Beginn waren viele Banken interessiert an der Innovation an sich. Es war cool, wenn man so sagen darf, um Krypto-Dienstleistungen anzubieten. Heute ist das insofern anders, als dass viele Kunden tatsächlich wirtschaftliche Ziele verfolgen in dem Ganzen.
00:05:49: Roger Darin: Es geht nicht mehr nur um einen hübschen Press-Release und sich marketingmässig zu positionieren. Heute geht es tatsächlich darum, Kunden abzuholen, wo sie stehen, wo sie Dinge tun möchten über das Bankensystem, das früher nicht möglich war.
00:06:09: Lidia Kurt: Ich sehe, dass auch die Konkurrenz ein wenig zunimmt im Sinne von, dass man nicht mehr nur der Erste ist und der Einzige, sondern es gibt andere Banken die in das Feld reinkommen.
00:06:19: Lidia Kurt: Spürt das? Das ist euer besonderer Sweet Spot, um euch da auch ein bisschen abzuheben.
00:06:25: Roger Darin: Es werden tatsächlich immer mehr, ja. Jetzt kommen neue amerikanische Banken in den ganzen Bereich rein und ich finde, das ist eine fantastische Validierung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Die Schweiz war... In einer Vorreiterrolle hier.
00:06:38: Roger Darin: Heute ist die Schweiz vielleicht nicht mehr unbedingt Vorreiter, mehr noch im Mittelfeld. Aber wichtig ist, die zunehmende Konkurrenz zeigt, dass es ein Bereich ist, an den geglaubt wird, den man weiter verfolgen möchte. Es wäre schrecklich, wenn nur eine Bank das Ganze anbietet, weil dann offenbar Lohnt es sich dann nicht, da drin zu sein.
00:07:00: Lidia Kurt: Wenn wir uns die Projekte anschauen die ihr über die letzten Jahre gemacht habt, gerade auch im tokenisierten Wertpapier-Bereich, ist auch spannend zu sehen, wie ihr die Entwicklung macht. Hast du so für dich wenn du die letzten Jahre anschaust, siehst du da eine Entwicklung, wie sich der Bereich für euch verändert und Projekte die du besonders spannend fandest in der Zeit?
00:07:19: Roger Darin: Für mich kommen die Dinge immer mehr Ans Ideal. Das erste Projekt, das war vielleicht vor vier Jahren oder so, da war ich noch als externer Berater bei Incore Bank, war ein Token, ein Tracker auf die Partners Group. Und während das Ganze zwar funktioniert hat und es gab eine ISIN dafür und du konntest den Token kaufen, over the counter, war es doch insofern restriktiv als du den Token nicht hinausnehmen durftest.
00:07:48: Roger Darin: Im Termsheet gab es eine Klausel die sagte, sobald der Token das regulierte Finanzsystem verlässt sprich wenn es auf eine private Wallet transferiert würde, dann verliert er vorübergehend seine Gültigkeit, bis er wieder im System ist. Das ist verständlich das sind gewisse Vorsichtsmassnahmen, die Strukturier je nach Risikoappetit treffen.
00:08:14: Roger Darin: Wir sind weitergezogen. Heute sind wir an der Vision, wo du für dein Startup ein Token ausgeben kannst. Du kaufst und verkaufst ihn vielleicht über einen Bot auf deiner Webseite und der gleiche Token Kann dann Jahre später auf eine Exchange wie BX Digital gehandelt werden. Für mich ist das der heilige Gral der Kryptowelt, dass die Systeme durchlässig werden.
00:08:39: Roger Darin: Und dort gehen wir hin und das finde ich toll.
00:08:42: Lidia Kurt: Siehst du da aktuell noch Herausforderungen, zum Beispiel das Thema Geldwäscherei oder andere Herausforderungen, die man noch begegnen muss oder sind die alle gelöst deines Erachtens?
00:08:52: Roger Darin: Es wird immer Herausforderungen geben und das wird auch in diesem Fall nicht anders sein.
00:08:57: Roger Darin: Konkret beispielsweise, wie ist die Rolle von Decentralized Exchanges DEXs im Ganzen? Was ist notwendig wenn ich als Bank die Einlieferung eines solchen Token, der vielleicht auf einer DEX war, Bewilligen kann oder soll. Überhaupt die ganze Ein-Aus-Lieferung ins Bankensystem, ich habe jetzt noch nicht darüber gesprochen, aber zwischen der Situation, wo ich ein Token auf einer Webseite vom Startup kaufe, bis ich ihn an einer regulierten Börse verkaufen kann, muss er ja irgendwie noch ins Finanzsystem hineinkommen.
00:09:33: Roger Darin: Das heisst, meine Hausbank müsste eigentlich die Einlieferung akzeptieren. Und da stehen wir schon noch ein bisschen am Anfang, Wenige Banken erst erlauben auch die Einlieferung von Bitcoin, obwohl Bitcoin schon über zehn Jahre her ist. Und die gleiche Herausforderung werden wir auch haben, wenn es um Aktientoken beispielsweise geht.
00:09:52: Roger Darin: Aber ich bin sicher, dass die Erfahrungen die Banken gesammelt haben, über die Analyse von Blockchain, mit woher kommt ein Token, ist er tainted, ist er nicht tainted, dass sie diese Erfahrungen sammeln Sehr schnell werden anwenden können auf diese neuen Asset Token.
00:10:09: Lidia Kurt: Das ist sehr spannend. Ich spreche nachher noch dazu, aber wenn auch die Incore dann Handelsteilnehmer schafft, eben bei der BX Digital hat, dann ist genau das ja auch möglich, oder?
00:10:18: Lidia Kurt: Dass diese Grenzen schwinden und diese Tokens ausserhalb ausgegeben werden können und sich dann in die Finanzwelt, beispielsweise via Incore Bank, auch an regulierte Handelsplätze bewegen können. Was ich oft sehe, ist auch eine Veränderung im Emissionsbereich, im Primärprozess, also wie werden diese Tokens überhaupt ausgegeben?
00:10:38: Lidia Kurt: Und du sagst ein spannendes Beispiel, dass das via Bot auf der Webseite ausgegeben werden könnte. Und ich glaube, da gibt es schon sehr viele neue spannende Möglichkeiten. Siehst du da, Hast du das Gefühl, dieser Bereich verändert sich massiv in Zukunft, wie man eben Geld aufnimmt als Unternehmen, als Firma beispielsweise?
00:10:58: Roger Darin: Ja, das wird ein sehr spannender Bereich werden. Traditionell in der Welt ist es so, du hast Private Equity, es beginnt mit Angel-Investoren. Wenn das Unternehmen dann erfolgreich ist und wächst, kommen Venture-Capitalisten hinein und irgendwann gibt es vielleicht ein IPO. Krypto hat immer ein bisschen die Tendenz den Mittelsmann weitgehend auszuschalten.
00:11:20: Roger Darin: Das funktioniert nicht immer gut. Wir erinnern uns an die ICOs 2017. Da gab es auch keine Mittelsmänner oder anders ausgedrückt keine Filter zwischen Projekten und Investoren. Viele dieser Projekte sind gescheitert, weil es natürlich schwierig ist für jemanden, der 25 Jahre alt ist, eine tolle Idee hat.
00:11:40: Roger Darin: Jetzt hat er x100 Millionen Investoren Dollar geracet und jetzt sollte er motiviert sein, irgendwo im Keller noch etwas zu arbeiten. Der hat vielleicht jetzt im Moment andere Ideen, was man mit dem Geld noch machen könnte. Aber die Ausgaben von Tokio sind professioneller, aber es wird über neue Kanäle gehen.
00:11:58: Roger Darin: Ich denke, der Reach heute über Dinge wie YouTube beispielsweise erlaubt eigentlich theoretisch zumindest die Kapitalaufnahme global. Man wird sich vermutlich identifizieren. Man muss irgendwie prüfen, wer diese Leute sind. Das mag über Plattformen gehen, die solche neuen Token zum Kauf anbieten. Die offerieren vielleicht einen KYC-Prozess.
00:12:25: Roger Darin: Es ist die Frage, ob Banken dann glücklich sind mit der Identifizierung die eine solche Plattform macht oder ob sie eigene Massstäbe anwenden wollen. Und dann ist natürlich auch die ganze Frage nach dem Vetting nach der Prüfung von Projekten. Wenn ich an einem regulierten Finanzplatz an einer regulierten Börse etwas kaufe, habe ich vielleicht gewisse Erwartungen daran, dass diese Projekte geprüft sind.
00:12:55: Roger Darin: Ich will keinen Rackpull erleben, dass tatsächlich niemand mehr hier ist. Ich erwarte, dass man die Leute kennt hinter solchen Projekten Und gleichzeitig muss man aber berücksichtigen, dass jemand wie ein Exchange nicht eine Garantie dafür geben kann, ob ein Investment gut oder schlecht ist. Dasselbe mit den Banken die involviert sind.
00:13:14: Roger Darin: Welche Verpflichtungen haben sie in dieser Hinsicht? Und da werden wir noch einiges... Und uns auch einige Punkte durcharbeiten müssen in den nächsten Jahren, bis diese Dinge wirklich klar sind.
00:13:27: Lidia Kurt: Glaubst du, dass sich auch die Rollen der Player verändern wird? Beispielsweise als Bank. Glaubst du als Incore-Bank werdet ihr noch dieselben Dienstleistungen in Zukunft erbringen, die ihr heute erbringt?
00:13:37: Lidia Kurt: Oder verändert die Tokenisierung das?
00:13:39: Roger Darin: Solche Dinge werden sich sicher anpassen. Eine Anleihe in der traditionellen Welt und in der neuen Welt. In der traditionellen Welt kommt ein Emittent zur Bank und sagt, ich möchte eine Anleihe begeben, ich habe meine Investoren schon bereit. Und dann stellt die Bank im Prinzip das System zur Verfügung, auf dem die Anleihe ausgegeben kann.
00:14:02: Roger Darin: Das heisst, als Investor kann ich dann über eine beliebige Bank diese Anleihe zeichnen, ich bekomme die in mein Depot geliefert Ich sehe regelmässig ein Kursupdate und die Bank, in diesem Fall als Paying Agent, stellt sicher, dass es auch rund läuft. Natürlich in Zusammenarbeit mit Anbietern wie SIXSAS und so weiter.
00:14:25: Roger Darin: In der neuen Welt ist das anders. Da ist die Infrastruktur schon hier. Wir haben eine Blockchain, die Token werden vielleicht durch den Emittenten selbst gemintet. Das heisst, eigentlich auf den ersten Blick braucht er die Bank gar nicht mehr. Und da muss sich eine Bank gut überlegen, welche Dienstleistungen kann sie noch anbieten?
00:14:45: Roger Darin: Für was braucht es überhaupt eine Bank?
00:14:47: Lidia Kurt: Glaubst du, wir werden noch Depots haben in Zukunft bei den Banken? Oder siehst eine Welt mit Self-Custody eher als ein mögliches Ziel?
00:14:56: Roger Darin: Es ist genau die gleiche Frage mit Bitcoin. Ja, ist es schlau dass ich meine Bitcoin selber in Custody habe? Oder ist es schlauer, sie bei einer Bank zu haben?
00:15:07: Roger Darin: Aber ich arbeite ja für eine Bank, vielleicht bin ich da ein bisschen voreingenommen. Aber ich denke, es ist sinnvoll, Assets bei einer Bank zu halten. Ganz einfach, weil Banken seit Hunderten von Jahren sich gewohnt sind, mit Assets umzugehen. Wenn du die Assets selbst in Kassel hast, hast du Verantwortung gegenüber deiner Familie, gegenüber Leuten in deinem Umfeld, dass wenn dir etwas passiert, dass diese Assets immer noch erreichbar sind und Auch wenn es für Leute, die in der Kryptowelt quasi aufgewachsen sind oder damit vertraut sind, trivial ist, mit Private Keys umzugehen und mit Ledger, Hardware Wallets und dergleichen für Leute, die nicht aus dem Bereich sind, Mag das extrem herausfordernd sein.
00:15:59: Roger Darin: Und ich denke, dass es wahrscheinlich im Interesse der Familie jeweils ist, wenn eine Bank diese Assets in Kasse behält, sich im Fall, dass jemand stirbt sich beteiligt Mit den Erben auseinandersetzen kann und die Assets so weitergereicht werden. Der zweite Punkt, der auch nicht ganz trivial ist, ist die Möglichkeit, schnell zu reagieren.
00:16:25: Roger Darin: Wenn ich meine Assets irgendwo auf einer privaten Wallet habe und ich möchte jetzt verkaufen, Dann, je nachdem, muss ich die erstmal wo einliefern, dann muss ich sie verkaufen. Es ist angenehm, Assets schon im regulierten Finanzsystem zu haben, weil dort ist es so einfach wie ein Zahlungsauftrag, diese Assets zu verkaufen.
00:16:45: Lidia Kurt: Was du auch sagst, die Grenzen werden schwimmend dass man vielleicht eine Kombination auch haben kann. Ich denke auch, wenn Themen wie Digital Identity und solche Themen kommen, dass vielleicht auch eine Kombination möglich ist im Sinne von die Assets dann eventuell im Self-Casting, aber die Bank nach wie vor als wichtiger Player im Spiel, bei der Identifikation bei der Wiederherstellung, wie auch immer.
00:17:06: Lidia Kurt: Also ich glaube, da ist sicher, wenn man schon früh positioniert ist, auch früh mit dabei bei diesen technologischen Themen, sicher wertvoll.
00:17:12: Roger Darin: Und einen Punkt, den habe ich nicht angesprochen, der spricht eigentlich für Self-Custody. Das ist natürlich die Kostenfrage. Wenn ich ein Token kaufe beispielsweise ich möchte Exposure zu einer Rinderfarm irgendwo in Bolivien und ich kaufe mir 500 Franken oder 5.000 Franken eines Token, einfach weil ich es auch ein bisschen cool finde.
00:17:31: Roger Darin: Wenn ich das bei meiner Hausbank habe im Depot, dann kostet mich das jedes Jahr 50 Franken Grundgebühr. Und das ruiniert viele Investments in kleinem Ausmass. Und solche Dinge kann ich mir vorstellen, werden wahrscheinlich in einer privaten Wallet besser aufgehoben sein. Ein bisschen so, wie du ein bisschen Bargeld dabei hast in deiner Brieftasche das du brauchst Und
00:17:59: Lidia Kurt: den
00:18:00: Roger Darin: Interest auf der Bank hältst.
00:18:02: Lidia Kurt: Oder vielleicht endet es ja auch da, dass wir neue Fee-Strukturen dann auf der Bankenseite sehen werden. Das wäre natürlich
00:18:08: Roger Darin: ganz toll, ja.
00:18:09: Lidia Kurt: Noch mal zur Tokenisierung kommend Wenn wir da in die Zukunft blicken, glaubst du, Tokenisierung ist eher ein Thema für Nischen? Produkte, also auch das Thema neue Asset Class erleben Ich kann mich einer Rinderfarm in Bolivien beteiligen.
00:18:25: Lidia Kurt: Oder siehst du Tokenisierung eher als Grundkonzept als technologische Weiterentwicklung, die einfach der nächste technologische Schritt ist für alle Asset Klassen, also auch perspektivisch mal Aktien Blue Chip voll tokenisiert sein werden?
00:18:38: Roger Darin: Ich denke, die Frage ist irgendwie falsch gestellt, ob eine Aktien wie Apple, Tesla und so weiter nun als Token oder im traditionellen System sind, ist für den Investor nicht relevant eigentlich.
00:18:54: Roger Darin: Ausser es gibt Dinge, die er im einen System tun kann und im anderen nicht. Und das, denke ich wird entscheidend sein in der Frage, ob mehr erste Klassen auf die Blockchain wechseln. Wenn ich mit einem Token Dinge tun kann, zum Beispiel im DeFi-Space, die ich in der traditionellen Welt nicht tun kann, dann wird es interessant.
00:19:17: Roger Darin: Und dann habe ich einen Use Case. Die ganze Blockchain-Industrie hat hier vielleicht einen komischen Start gehabt. Man hatte eine neue Technologie und hat dann lange nach einem Problem gesucht das diese Technologie löst. Und dabei sind Erstaunliche Use Cases hervorgekommen, Dinge, die man mit einer Blockchain tun könnte.
00:19:37: Roger Darin: Aber irgendwie hat man vergessen zu fragen, sollte man? Denn Blockchain mit all den Vorzügen die sie bringt, sie bringt auch einige Nachteile. Und ein Nachteil ist zum Beispiel Tempo. Sie wird nie schneller sein können als eine zentrale Datenbank. Blockchain habe ich, weil ich Trust but verify, wie es so schön heisst.
00:20:00: Roger Darin: Mit leuten interagieren die ich nicht kenne ich kann mich in systeme linken mit small contracts interagieren wie es vorher nicht möglich war und wenn hier use cases kommen die breite asset klassen gut finden dann wird es mehr tokenisierte assets geben und wenn nicht dann bleibt es schlussendlich Bei einigen Nisch-Casen.
00:20:25: Lidia Kurt: Spannend hier ist auch, wie sich das weiterentwickelt. Man sieht immer mehr, je länger die Industrie auch andauert und sich entwickeln kann, dass da spannende Use-Cases kommen, aber braucht sicher noch seine Zeit. BASE Digital positioniert sich ja als regulierter Sekundärhandelsplatz, als ein Puzzlestein innerhalb dieser Industrie.
00:20:44: Lidia Kurt: Wie wichtig erachtest du diese Funktion eines regulierten Sekundärmarkts für tokenisierte Wertpapiere?
00:20:51: Roger Darin: Das hast du jetzt sehr bescheiden ausgedrückt ein Puzzlestein in der Industrie. Für mich war das Fehlen eines Handelsplatzes bisher der Hauptgrund, weshalb es nicht schneller vorwärts gegangen ist.
00:21:02: Roger Darin: Mit tokenisierten Assets. Wenn ich ein tokenisiertes Asset habe, aber dieses lediglich Freunden und Bekannten verkaufen kann oder von ihnen kaufen, dann ist es viel zu klein. Auch was einige Unternehmen gemacht haben in der Kryptoindustrie in der Schweiz, eine eigene proprietäre Handelsplattform aufgebaut.
00:21:25: Roger Darin: Löst das Problem nicht. Ja, wenn ich ein Token von einer Bank kaufe und er bleibt in der Bank und er verlässt die Bank nicht und ich kann wieder in der Bank verkaufen, entweder der Bank selber oder einem Kunden der gleichen Bank, dann habe ich ein viel zu kleines Ökosystem und gefühlt macht es dann keinen Unterschied, ob das Token auf einer Blockchain ist oder ob es ein Eintrag in einem Spreadsheet ist.
00:21:49: Roger Darin: Aber mit einer gesamtschweizerischen Handelsplattform Haben wir nun die Möglichkeit, einen viel grösseren Kreis an Investoren anzusprechen und die Chance für Liquidität erhöht sich. Das war vor 30 Jahren oder so in der Schweiz ja auch schon ein Thema. Verschiedene Kantone hatten ihre eigenen Börsen. Es wurde zusammengelegt in den 90er Jahren zu einem Handelsplatz unter der Schweizer Börse und das hat der Liquidität gut getan.
00:22:21: Roger Darin: Es ging dann weiter, es wurde ausgeweitet auf Handelsplätze in London und je mehr Liquidität oder je mehr Investoren angeschlossen sind an einen Handelsplatz, desto besser. Und von daher finde ich, dass nun, wo ein gesamtschweizerischer Handelsplatz für Token zur Verfügung steht, der sauber reguliert ist.
00:22:39: Roger Darin: Haben wir nicht einfach ein Puzzlestück sondern ein Cornerstone für die ganze Industrie.
00:22:45: Lidia Kurt: Du sprichst es an, auch die Regulierung. Uns war das von Anfang an sehr wichtig, auch als etabliertes Börseninstitut, dass wir auf eine Kombination setzen von modernster Technologie, offenem Ökosystem, aber eben auch höchsten regulatorischen Standards.
00:23:00: Lidia Kurt: Dieser regulatorische Mantel wie wichtig war der für euch für den Entscheid, sich anzuschliessen?
00:23:05: Roger Darin: Eigentlich sind ja Handelsplätze für Security Token gab es schon eine Weile ja, aber in Jurisdiktionen wie Kasachstan beispielsweise. Das macht es für eine Bank eher schwierig, sich dort anzuschließen. Auf der anderen Seite, Handelsplatz in der Schweiz von der Finanzmarktaufsicht reguliert für eine Schweizer Bank macht es äusserst einfach.
00:23:30: Roger Darin: Es ist Vertrauen da, einerseits vom Regulator, andererseits von der Bankenwelt und schliesslich auch von den Investoren. Ich denke, das ist ein sehr guter Schritt und auch wenn Regulierung immer ein bisschen overhead bedeutet, schafft es doch auch das notwendige Vertrauen, insbesondere weil es ja so etwas Neues ist.
00:23:52: Lidia Kurt: Wenn wir jetzt INCORE und BX Digital als zwei wesentliche Säulen in diesem digitalen Asset Ökosystem anschauen, wie siehst du diese Partnerschaft und die Potenziale und Synergien zwischen den zwei Instituten?
00:24:03: Roger Darin: Nun jeder hat seine eigene Aufgabe. Die muss er gut erfüllen, sodass schlussendlich das Ökosystem davon profitiert.
00:24:13: Roger Darin: Die Aufgaben sind ein bisschen unterschiedlich Auf der einen Seite Handel, Zugang zur Plattform. Aber auf der anderen Seite gibt es auch einige Dinge, die man gemeinsam angehen muss. Beispielsweise Kriterien Zum Listing selbst. Was soll überhaupt gelistet werden? Einerseits verstehe ich, wenn hier die Börse keine Verantwortung formell übernehmen kann.
00:24:37: Roger Darin: Andererseits die Bank möchte das auch nicht. Und doch will man den Investoren das Vertrauen geben, Dass Token, die gehandelt werden an der Börse, grundsätzlich solide sind, dass man Vertrauen haben kann in die Unternehmen, die drauf sind. Da wird man sich gemeinsam einigen müssen auf gewisse Standards, auf Voraussetzungen genauso wie es in der alten Welt ja auch schon ist.
00:25:00: Roger Darin: In der alten Welt, wenn ich eine Aktie listen möchte, da brauche ich Geschäftsberichte der letzten drei Jahre, beispielsweise ich brauche gewisse Offenlegungspflichten usw. Und ich denke, hier kann man zusammenarbeiten zwischen der Börse und den Banken die schlussendlich mit den Kunden im Austausch stehen und von den Kunden wissen, was die für Vorstellungen haben.
00:25:22: Lidia Kurt: Lass uns zum Abschluss nochmal einen Blick in die Zukunft werfen. Was denkst du, wird ein wichtiger Katalysatoreffekt sein, um der Tokenisierung zum grossen Durchbruch zu verhelfen?
00:25:33: Roger Darin: Ich habe vorhin über Use Cases gesprochen und ich glaube, es sind genau diese Use Cases die bestimmen, ob das Ökosystem Erfolg haben wird oder ob es wieder verschwinden wird über die Zeit.
00:25:47: Roger Darin: Wenn ich Use Cases habe, in DeFi-Space beispielsweise, da ja auch eine regulatorische Herausforderung ist und deshalb ist es nicht Ganz klar, ob das funktionieren wird. Aber wenn ich Use Cases habe, die mir mehr bringen, dann wird der Erfolg definitiv kommen.
00:26:05: Lidia Kurt: Und wenn wir jetzt mal annehmen, der Erfolg kommt und das etabliert sich als Technologie, wie sich Bucheffekte etabliert haben damals.
00:26:14: Lidia Kurt: Wie sieht für dich eine Welt in zehn Jahren aus, wo alles tokenisiert ist? Wie sieht der Finanzmarkt aus? Was verändert sich?
00:26:22: Roger Darin: Das wird ein Finanzmarkt sein, wo wir uns nicht mehr Gedanken machen über die zugrunde liegende Technologie, wo Leute nicht mehr verstehen, wieso haben die damals einen Podcast gehabt zu irgendeinem Tech-Thema.
00:26:32: Roger Darin: Genauso wie wir heute völlig selbstverständlich das Handy hervornehmen, im Internet surfen und kein Wort über die zugrunde liegenden Technologien verwenden. Es ist einfach hier. Und Wenn alles gut läuft, dann werden wir genau Dort zu diesem Punkt kommen mit den Technologien, über die wir heute noch sprechen.
00:26:51: Lidia Kurt: Das ist doch ein gutes Schlusswort. Dann freue ich mich auf die Zeit, wo wir diesen Podcast nicht mehr benötigen. Ich danke dir vielmals, warst du heute hier und ich freue mich auf die gemeinsame Zusammenarbeit.
00:27:00: Roger Darin: Danke, dass du mich gehabt hast.
00:27:03: Lidia Kurt: Das war Insights Digital Asset. Ein gemeinsames Projekt von BX Digital und Seturion.
00:27:08: Lidia Kurt: Wenn dir die Folge gefallen hat, abonniere unseren Podcast und empfehle uns gerne weiter.
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